Das war das Medienpädagogik-Praxisblog Barcamp 2022 / #mppb22


Nach zwei Jahren im Online-Format fand vom 07.09.-08.09.2022 das siebte Medienpädagogik-Praxisblog Camp wieder in Präsenz und erstmalig auf dem Gelände der Hochschule Fulda statt. filmreflex gehörte neben dem Medienpädagogik-Praxisblog, der Evangelischen gesellschaftspolitischen Jugendbildung (et), Menschen und Medien e.V., sowie der Hochschule Fulda zu den diesjährigen Gastgebern. Ich, Nele, durfte direkt zu Beginn meines Praktikums als Teilnehmerin beim Barcamp dabei sein. Wie es mir dort gefallen hat und was ich vom Barcamp mitnehme, erzähle ich euch jetzt.

Halt! Was ist das Medienpädagogik-Praxisblog Barcamp?

Das Praxiscamp schafft für Medienpädagog:innen aus ganz Deutschland einen Raum, sich miteinander zu vernetzen und dabei über medienpädagogische und gesellschaftspolitische Themen auszutauschen. Die Gestaltung des Barcamps ist dabei offen: jede:r Teilnehmer:in kann seine eigenen Themen miteinbringen, die in sogenannten Sessions besprochen werden. Thematisch kann alles dabei sein: von neuen Tools, innovativen Projekten, Medienarbeit mit bestimmten Zielgruppen bis hin zum heißen Scheiß in der Medienpädagogik.

Nele meets das Helferteam von #mppb22

Was wäre das Praxiscamp nur ohne ihre Helfer:innen? Diese zauberten im Handumdrehen aus Vorlesungsräumen einen Startraum, ein Praxiscafé, die Sessionsräume und eine Mensa. Erstmalig musste das Helferteam auch flexibel auf die Bedürfnisse einer hörbehinderten Person eingehen und ich stellte ihnen meine FM-Anlage vor, die ich für das Zusammentreffen im Plenum und auch später in den Sessions brauchen würde. Bei der FM-Anlage handelt sich um eine Übertragungsanlage, in dem die Redner:innen ein Mikrofon erhalten und das Gesprochene direkt in meine Cochlea-Implantate übertragen werden. Auf diese Weise wird mir ermöglicht, dass ich das Gesagte gut verstehen kann. Gegen 10.30 Uhr trudelten rund 50 Medienpädagog:innen aus ganz Deutschland in den Startraum ein. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde mit Namen und jeweils drei Hashtags, gab es eine kleine Einführung in das Prinzip des Barcamps. Im Anschluss wurden die Sessionsthemen für den ersten Tag geplant und festgelegt. Mir ist es wichtig bei anderen Menschen ein Bewusstsein für das Thema Hörbehinderung zu schaffen und auch die Inklusion hat, meiner Meinung nach, einen Platz in der Medienpädagogik. Somit nutzte ich direkt die Gelegenheit eine Session zum Thema „Inklusive Technik“ vorzuschlagen.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt: Meine erste Session zum Thema „Inklusive Technik“ 

In der Session ging es primär um das Thema Hörbehinderung und darüber was ich als hörbehinderte Person brauche, damit ich an Events, wie bspw. das Praxiscamp, teilhaben kann. Zunächst stellte ich meine FM-Anlage vor und beantwortete im Anschluss Fragen zum Thema Hörbehinderung. Später berichteten Medienpädagog:innen über ihre Erfahrungen, die sie im Rahmen ihrer Arbeit mit Menschen mit Behinderung gesammelt haben. Dabei kristallisierte sich heraus, dass es oft bereits an der Kommunikation scheitert, ein inklusives Setting für Menschen mit Behinderung bei Angeboten zu gewährleisten.

Eine Teilnehmerin aus dem Plenum berichtete, dass sie erst bei Beginn der Angebotsdurchführung erfuhr, dass eine Rollstuhlfahrerin am Projekt teilnimmt. Bei diesem Projekt war die Schwierigkeit, dass die Rollstuhlfahrerin den Bildschirm, der oben auf der Trickboxx draufliegt, nicht sehen konnte. Dank der guten technischen Ausstattung der Schule konnte das Problem kurzerhand gelöst werden. In diesem Fall ist es gut für die Teilnehmerin ausgegangen, aber es kann nicht immer gewährleistet werden, dass die passende Technik vor Ort auch vorhanden ist. Um solche Situationen mit unerwartet auftretenden Barrieren zu vermeiden, ist es empfehlenswert vor Projektbeginn zu klären, welche Teilnehmenden dabei sind und ob ggf. bei einer teilnehmenden Person eine Behinderung vorliegt. Dies könnte im Vorfeld durch eine Abfrage im Anmeldeformular geschehen. Die Projektleitung kann im Anschluss Kontakt zur Person mit Behinderung aufnehmen und erfragen, was alles beachtet werden muss, damit die Person gleichberechtigt am Angebot teilhaben kann.

Ein anderer Teilnehmer schilderte, dass eine Person mit Behinderung aufgrund ihres Krankheitsbilds nicht immer am Präsenzunterricht teilnehmen kann. Abhilfe soll hierbei ein Avatar/Roboter schaffen, der ermöglicht, dass das Kind am Unterricht von zuhause aus teilnehmen kann. Eine Hürde ist zum einen die Finanzierung des Roboters und zum anderen stellt sich die Schule quer – der Datenschutz sei nicht ausreichend gewährleistet.  

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass insbesondere die Kommunikation das A und O ist und eine wichtige Rolle bei der inklusiven Ausgestaltung eines Projekts spielt. Rechtzeitige Absprachen sorgen dafür, dass Barrieren bereits im Vorfeld abgebaut werden können. Zudem sollte darauf geachtet werden, die Person mit Behinderung direkt mit in die Projektplanung einzubeziehen, damit ein reibungsloser Ablauf beim Projekt stattfinden kann. Inklusion bedeutet auch eine partizipative Haltung gegenüber der Person mit Behinderung einzunehmen und zu fragen: „Was brauchst du als Mensch mit Behinderung, um gleichberechtigt am Angebot teilnehmen zu können?“

Fazit vom Praxiscamp 2022

Ich war mir im Vorfeld aufgrund meiner Hörbehinderung unsicher, ob eine Teilnahme am Barcamp für mich reibungslos verlaufen würde. Zum Glück war das Organisations- und Helferteam vom Medienpädagogik-Praxisblog aufgeschlossen und hat sich direkt meiner Behinderung angenommen. Sie haben dafür gesorgt, dass ich gleichberechtigt am Praxiscamp teilnehmen konnte. Generell herrschte eine sehr offene Atmosphäre und ich hatte den Eindruck, dass jeder Teilnehmende motiviert war und „Bock“ auf das Barcamp hatte. Besonders wertvoll fand ich die Sessions und nehme eine Menge Inhalte für mich persönlich mit. Das Praxisblog Barcamp hat mir ebenfalls gezeigt, dass es in Ordnung ist, meine Bedürfnisse als hörbehinderte Person zu äußern und dafür bin ich sehr dankbar. Kurzum: es war schön, ich komme 2023 wieder!

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