YouTube Kids aus medienpädagogischer Sicht


YouTube Kids erschienen

YouTube Kids LogoSeit Kurzem gibt es für deutsche Nutzer die Möglichkeit, YouTube Kids auf dem Smartphone oder dem Tablet zu installieren. Besonders interessant dürfte dies für Eltern von jüngeren Kindern sein. Wer schon einmal vor der Entscheidung stand, welches Youtube-Video sich das Kind für die nächsten 15 Min. unbeaufsichtigt anschauen kann, während man noch schnell den wichtigen Anruf beim Arzt, Anwalt, Versicherungsvertreter o.ä. erledigen kann, kennt vielleicht auch die unterschwellige Unsicherheit, die einen als Elternteil befallen kann.

  • Ist das Video wirklich geeignet?
  • Hat sich ein Scherzkeks eine Gruselversion von einem Kindervideo erlaubt?
  • Kommt eine Werbeunterbrechung für ein Produkt, welches nicht für mein Kind geeignet ist?

Diese Unsicherheit möchte Google mit seinem Angebot den Eltern jetzt nehmen.

Um dies zu gewährleisten haben sich gegenüber der klassischen Funktionsweise der YouTube-App einige Sachen verändert.

Aber der Reihe nach:

Installation und Einstellung

Nach dem Installieren der App aus dem Google-Play-Store oder dem App-Store bei Apple wird man beim ersten Öffnen der App mit einem Willkommens-Bildschirm begrüßt.

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Willkommen bei YouTube Kids

Nach dem klick auf weiter folgt eine Sicherheitsabfrage. Hierfür muss man lesen können und die dort angegebenen ausgeschriebenen Zahlen als Sicherheitscode (PIN) eingeben. Dieses Prozedere wiederholt sich immer, wenn man auf den App-Bereich für Erwachsene zugreifen möchte.

Sicherheit

Zugriffsschutz für Kinder, die noch nicht lesen können

Hat man etwas ältere Kinder, die schon lesen können, ist es natürlich sinnvoll, sich eine eigene PIN zu erstellen. So können die Kids nicht an die Einstellungen der App gelangen und dort etwas verändern, was man so vielleicht nicht möchte.  Die vergebene PIN kann nachträglich in den Einstellungen geändert oder gelöscht werden.

Über die Einstellungen lässt sich auch sehr einfach ein Zeitlimit (1 – 120 Min.) einstellen. Dem Kind wird anhand eines ablaufenden Zeitbalkens am oberen Bildschirmrand signalisiert, wie viel Zeit noch übrig bleibt. Anschließend erhält das Kind folgenden Bildschirm angezeigt:

Die Zeit, sie ist um!

Die Zeit, sie ist um!

Dies gilt aber nur für die aktuelle Nutzung. Startet das Kind die App neu, ist kein Timer mehr eingestellt. Die Funktion eignet sich also zum einen eher für kleinere Kinder oder zur Sensibilisierung – kann also dazu genutzt werden, den Kindern zu verdeutlichen, dass es Zeit-Regeln für die Nutzung gibt, an die es sich zu halten gilt. Wenn das Kind erst heraus gefunden hat, dass sich die Timerfunktion umgehen lässt, dann ist sicher ein Gespräch von Eltern und Kind zu führen, in dem man verdeutlicht, warum man nicht möchte, dass der Konsum der Videos eine bestimmte Zeit überschreitet.

Werbung

Auch bei YouTube Kids können Werbungen vor den gewünschten Videos eingeblendet werden. Dabei gelten laut Anzeigerichtlinien von Google besondere Vorgaben:

  • Werbung darf keine externen Links und keine Kaufaufforderungen enthalten.
  • Interessensbezogene Werbung ist nicht zulässig, wohl aber kontextbezogene Werbung.
  • Werbespots dürfen keine Tracking-Pixel enthalten.
  • Werbung für bestimmte Produktkategorien ist augeschlossen. Zum Beispiel Werbung für Kosmetik und Fitness, Dating, Lebensmittel und Getränke, aber auch politische Werbung, nicht jugendfreie und sexuelle Inhalte sowie Gewinnspiele.

Trotzdem finden sich auch auf YouTube Kids Videos, die man als kritische Eltern vielleicht als Werbung einstufen könnte, von Google aber nicht als solche bewertet werden. Sucht man zum Beispiel nach „Eisenbahn“, so erhält man durchaus auch Produktvideos, die den Kindern die Vorzüge von Spielsachen verschiedener Hersteller zeigen und beim Kind den Wunsch erzeugen können, diese Sachen dann auch mal zu besitzen.

Datenschutz

Beim Datenschutz wird unterschieden zwischen zwei Fällen der Nutzung. Wie wir aus Gesprächen in unserer medienpädagogischen Praxis wissen, stellen die Eltern oftmals ihr Google-Konto zur Verfügung. Die Kinder schauen also quasi im Namen der Eltern.

Diese Daten werden laut Datenschutzerklärung von YouTube (Google) erfasst, wenn sich Kinder ein Video darüber anschauen:

  • Gerätedaten, wie etwa Hardware-Modell, Betriebssystemversion und individuelle Geräteidentifizierungsmerkmale;
  • Protokolldaten, darunter Einzelheiten dazu, wie der Dienst genutzt wird, Informationen zu Geräteereignissen und die Internetprotokoll (IP)-Adresse;
  • individuelle Anwendungsnummern, wie etwa die Versionsnummer der Anwendung; und
  • mobile Kennziffern, bei denen es sich um eine mit Cookies vergleichbare Technologie handelt, die dazu benutzt wird, Informationen über eine App oder ein Gerät zu erfassen und zu speichern, wie zum Beispiel bevorzugte Sprachen, Sehgewohnheiten und Suchhistorie sowie andere Einstellungen.

Desweiteren gibt es die Möglichkeit, dass sich das Kind mit einem eigenen Google-Konto in der App anmeldet.

Eine weitergehende Betrachtung von Google und Datenschutz möchten wir den Leser*innen an dieser Stelle ersparen, auch wenn es natürlich zu einem differenzierten Blick auf die App besteuern würde. Für geneigte Eltern hier ein Link zur weiteren Vertiefung.

Eltern-Hilfe

Google stellt Eltern ausführliches Begleitmaterial zur Verfügung in dem man viele Fragen beantwortet bekommt, die man zum Angebot haben kann. Dieses findet man ebenfalls über die Einstellungen der App unter Leitfaden für Eltern.

Fazit

YouTube Kids bietet durchaus eine Hilfestellung für Eltern. Jedoch gilt wie eigentlich immer, wenn es um den Umgang mit Medien bei Kindern geht: Das Medium darf nicht zum Babysitter werden. Es ist wichtig, dass sich die Eltern mit dem Medienkonsum der Kinder auseinander setzen. Zeigen Sie Interesse an den medialen Vorlieben Ihrer Kinder, sprechen Sie mit ihnen darüber und versuchen Sie, Ihre Sicht zu verdeutlichen. Das gibt dem Kind eine Orientierung, nach welchen Gesichtspunkten es Inhalte selbst zu bewerten lernt.

Weiterführende Links:

mobilsicher.de

jugendschutz.net

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